Eine Woche auf den Spuren des Münchner Jakobsweges

Im Juni/Juli diesen Jahres machte sich eine Schülergruppe der Realschule Niederviehbach in Kooperation mit der Mittelschule Niederviehbach im Rahmen des Wahlfaches Jakobsweg zu Fuss mit Rucksack auf ein Teilstück des Münchner Jakobsweges, nämlich von München bis Rottenbuch. Bereits damals stand fest, dass die Gruppe gerne den kompletten Weg absolvieren und das Ziel Lindau am Bodensee erreichen möchte.


Am letzten Ferienwochenende war es dann soweit. Nach einer zweistündigen Anreise mit einem VW-Bus, startete eine verkleinerte Gruppe im Klosterhof Rottenbuch, wo sie vor zwei Monaten aufgehört hatte. Der Wettergott hatte jedoch schon am ersten Tag kein Einsehen. Klitschnass und durchfroren erreichte die Pilgergruppe mittags ein erstes Highlight der Strecke, die Wieskirche. Auch am Nachmittag war keine Wetterbesserung in Sicht und so war der Start zugleich ein Härtetest für die Beteiligten. Der Motivation tat es aber keinen Abbruch.


Am nächsten Tag machte sich die vierköpfige Gruppe aufgrund der widrigen Verhältnisse erst am späten Vormittag vom Campingplatz in Lechbruck auf nach Marktoberdorf. Es lagen wieder ca. 30 Kilometer vor ihnen, doch konnten diese ohne Regen gelaufen werden. Ein besonders schönes Teilstück war die Feuersteinschlucht am Auerberg, die trotz einer Motorrad-Oldtimer-Veranstaltung durchlaufen werden konnte. Bei Abenddämmerung erreichte die Gruppe voller Stolz schließlich das Pilgerquartier Marktoberdorf, wo sie herzlichst aufgenommen wurde.


Nach diesen ersten beiden anstrengenden Tagen mit jeweils über 30 Kilometer, beschloss die Pilgergruppe die nächste Etappe bis Kempten mit dem Zug zu fahren, ein sogenannter Pausentag, um sich in Ruhe die Altstadt mit Residenz und St. Lorenz Basilika anzusehen.


So konnte gut erholt und gestärkt am darauffolgenden Tag die Strecke bis Weitnau in Angriff genommen werden. Hier galt es etliche Höhenmeter zu bewältigen. Gleich zu Beginn hinauf nach Mariaberg und um sich ein paar Kilometer zu sparen nochmals ein Anstieg nach Ahegg. Doch auch nach Buchenberg ging es hinauf zum Sonneckgrat. Fast 5 Kilometer führt dieser Weg über Alpwiesen und Waldzonen, teilweise mit spektakulärem Ausblick auf die gegenüberliegenden Berge, bevor es in Kehren hinab nach Weitnau geht.


Von Weitnau starteten die Wanderer diesmal witterungsbedingt frühmorgens über den Eistobel nach Simmerberg und mit tollen Eindrücken aus diesem beeindruckenden Naturschauspiel ließ man den Tag mit intensiven Gesprächen über das Leben ausklingen, um für die letzte große Etappe bis Lindau-Reutin gerüstet zu sein. Bis auf den ersten Tag konnte die Gruppe die Regenschauer und das regnerische Wetter umgehen und so wollte sie auch an den letzten Tagen trocken das Ziel erreichen.


Der Pilgergeleitbrief war mittlerweile gut gefüllt mit vielen Stempeln aus den verschiedenen Kirchen und Quartieren und kurz vor Lindau-Reutin sah die Pilgergruppe erstmals das Ziel, den Bodensee. Für jeden der vier Teilnehmer ein beeindruckender Moment. Doch mit dem Ziel vor Augen sollten die nächsten beiden Stunden wie von alleine gehen. Kurz vor dem Pilgerquartier in den Obstplantagen Lindaus wurde die Pilgergruppe nochmals von einem heftigen Schauer überrascht, doch in der Herberge fanden die vier wieder eine sehr herzliche und freundliche Aufnahme.


Für den letzten Tag ging es „nur noch drei Kilometer“ auf die Insel mit anschließender Kirchenbesichtigung und „stempeln“, durch die Gassen schlendern und zum Hafen von Lindau – das Ziel des Weges.


Es gab viel nachzudenken:
Was habe ich da geschafft?
Was waren die Highlights für mich?
Wo war ich am Limit?
Ich bin am Ziel? Oder am Anfang eines neuen Weges?
Was nehme ich mit in den Alltag?


Diese sieben Tage mit dem äußerst unbeständigen Wetter, die sehr langen Etappen, die Einstellung auf die unterschiedlichsten Quartiere und viele weitere Herausforderungen haben jeden wachsen lassen im Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen.


Voller Freude über das Erreichte und übervoll mit Erlebnissen und Eindrücken machte sich die Pilgergruppe bestehend aus Leonie Däullary, Niklas Huber, Florian Scheugenpflug und der betreuenden Lehrkraft Agnes Heller mit dem Zug auf den Heimweg.
Die Schule ruft nun und es heißt Endspurt für die drei Schüler.
Wenn sie genauso zielstrebig sind wie hier auf dem Jakobsweg, braucht keinem Bange vor der Zukunft sein.

Agnes Heller